WortakroBadisch

Acher- und Bühler Bote

359/KW15

Gimnaschdig

Ausgabe 1. April. An diesem Montag, nach standesgemäßem Frühjahrswochenende, lerne ich bei der Zeitungslektüre ein neues Wort kennen. „Freeletics“ heißt der Neuling aus der Fitnessbranche und darf sinngemäß mit „Freiübungen“ übersetzt werden. Nix wie raus aus den Fitness-Studios heißt es für die Jünger dieser „Freiland-Gimnaschdig.“ In Karlsruhes Parkanlagen schalgen nicht nur die Knospen, sondern auch die „Freeletics“ aus. Zugeben, für die Augen nicht unbedingt ein Schmaus, sitzen die „Freeletics“ doch in kurioser Pinkelhaltung bei ihren „Squats“ (Kniebeugen), wuchten und stemmen ihre Körperteile luftwärts, ganz ohne Hanteln oder sonstiges Gerät. Ich bin beeindruckt, was der Frühling mit Mensch und Natur anstellt. Beide sind sie aus dem Häuschen. Also im Freien. Traudl, der ich den Artikel vorlese, ist kaum noch zu bremsen: „Nix wie naus“, was eigentlich nur noch mit dem Ausruf zu toppen ist: „Nix als wie naus!“ So geht es hinaus auf die Terrasse, wo wir mit raumgreifendem und sportivem Blick die sonnengefluteten Vorbergzonen streifen und beim „Balkoning“ die von Sonne Getriebenen beim „Konsuming“ betrachten. Traudl schlägt kräftig mit den Lungenflügeln und fordert mich auf, ebenso mich ihren pneumatischen „Push-ups“ anzuschließen. Doch Gemach, es ist ja erst das frühe „Warmin-up“ des Frühlings. Da ist bei mir noch Warmluft nach oben. Ich halte mich etwas bedeckt mit „Gimnaschdig“, wohl wissend dass meine Rest-Winterstarre nicht zu heftig wachgerüttelt werden darf. Doch ist die Ungeduld die Schwester meiner Traudl und so geht’s nicht lange, da meint meine sich zu den nächsten heftigen „Push-ups“ aufschwingende Traudl: „Schatz, jetzt bewegsch Deinen Hintern. Zuerst gehsch nunder in die Garage zum „Mülling“ und dann machsch a paar Beseschwüng „Cleaning“. Wie ich in dem eingangs zitierten ABB-Artikel gelesen habe, nennt man diese Kombination aus kräftezehrendem Mülleimertragen und rhythmischem Straße Fegen „ „Burpees“, also Ganzkörpertraining aus mehreren Fitnessübungen. Liebe Leser, sie können aber auch „Haushalts-Gimnaschdig“ sagen.

BadischWildWest

Badisches Tagblatt

548/KW 17

Gelassenheit

Gelassenheit ist eine Gabe, mit der nicht jeder gesegnet ist. Zu den Ungesegneten gehöre ich. Ich kann zu meiner Rechtfertigung nur genetische Gründe anführen, denn in meinem Elternhaus war die Gelassenheit nur selten Gast. Bei meinem überemotionalen und kritischen Betrachten meiner Mitmenschen und deren Verhalten kommt es dann leider ab und an zu Kollateralschäden. Heute früh komme ich vom Wochenmarkt, es ist noch duster und ich trete (mal wieder) in einen vor unserer Haustüre abgelegten Hundehaufen. Gerade will meine morgendliche Gelassenheit in maßlosen Ärger umschlagen, in dem ich alle Hundehalter am liebsten in den Hintern treten würde, da fällt mir die von Traudl mir gelegentlich verordnete altgermanische Weisheit ein: „Schatz, du musch net alle über einen Kamm schere!“ Nach altgermanischem Strafrecht wurde allen Verbrechern der Kopf geschoren. So waren dann in der Folge alle Kurzhaarigen plötzlich zu Verbrechern geworden. Es kam in der Folge zu der Weisheit, man dürfe nicht alle kurzhaarigen Menschen über einen Kamm scheren. Nun gut, ich rege mich ab, was aber am unappetitlichen Missgeschick an meinen Schuhsohlen nichts ändert. Mit Seifenlauge und Bürste reinige ich die Schuhe in der Badewanne und stelle sie in unserer Küche auf die Heizung zum Trocknen. Traudl weiß dies umgehend recht ungehalten und schimpfend zu kommentieren: „So eine Sauerei – typisch Männer!“ Worauf ich umgehend zu antworten weiß: „Schatz, du musch net alle über einen Kamm schere!“

WortakroBadisch

Aus dem Tagebuch des Homo Badensis
„Bei Jörg Kräuter handelt es sich um einen wortakrobatischen Autor – nein eigentlich eher um einen wortakroBadischen, weil seine kabarettistisch geschulte Zunge im Murgtal die Reife erhielt, einer Gegend, die gerade noch des abgemilderten Alemannischen Idioms huldigt.  ….“

Katz Verlag

PsychoBadisch

Mit dem König von Baden durchs Jahr
Mit spitzer Feder gibt Jörg Kräuter Antworten auf die drängenden Fragen, was den Badener ausmacht. Es sind kabarettistische Improvisationen über seine Landsleute zwischen Rebensaft und Bollenhut. Kräuter eröffnet eine poetisch-burleske Seelenschau, eine hinter- und vordersinnige Reise in die Gehirnschalen von Menschen seiner Heimat.

silberburg.de