WortakroBadisch

Acher- und Bühler Bote

373/KW 29

Spannung

„Ich hab‘s ja komme seh‘. Jetzt hämmer dann im Hausflur auch noch a Ladestation!“ Traudl kann recht wenig mit dieser über den Frühstückstisch gemurmelten Bemerkung anfangen. Ich habe mich bezogen auf einen Bericht auf der Lokalseite des ABB vom vergangenen Mittwoch. „Kinderwagen mit E-Antrieb.“ Ich setze nach. „Derzeit steht der Karch für die Enkel von unserm türkische Nachbar im Flur rum, de Buggy vom Pizzabäcker und die Kutsch von‘ s Stotzingers!“ Traudl reagiert immer noch nicht. Vermutlich bringt sie Bemerkung 1 und Bemerkung 2 nicht in einen Zusammenhang. Ich setze wiederum nach. „Weisch Traudl, mir hän de Schorschi noch selber g’schobe. Mit Muskelkraft!“ Jetzt blickt sie von den Todesanzeigen auf, in die sie sich intensiv vertieft hat und meint: „Hä?“ Daraufhin lese ich ihr den Bericht vor, in dem es um die Entwicklung der Firma Bosch (Bühl) eines Kinderwagens mit E-Antrieb geht. Traudl, technischen Entwicklungen weit aufgeschlossener als ich, kommentiert lapidar: „Des hätt‘ ich mir damals auch g’wünscht. Aber egal, mir profitiere ja demnächst auch von elektrische Kinderwäge!“ Nun kommt von mir ein verwundertes „Hä?“, denn meines Wissens ist unserer Familienplanung abgeschlossen. Ich setze nach und frage: „Wie soll ich denn des versteh‘.“ – „ De Schorschi isch bald soweit. Und dann musch du deiner Opapflicht nachkomme un mit dem Bobbele e Runde dreh‘. So wie früher mit‘em Schorschi. Auf de Klotzberg nauf, nüber zur Windeck und dann über Waldmatt heim. Und ob du noch ohne Motor de Klotzberg naufkommsch?“ Ich falte die Zeitung zusammen, verzieh mich in mein Büro und denke: „Also des blöd Gebabbel hör ich mir am frühe Morge net an. Selbst Zwilling‘ schieb ich ohne Motor de Klotzberg nauf. Und es soll mir bloß keiner auf die Idee komme, in den enge Hausflur noch e Ladestation für E-Kinderwäge zu installiere. Ich hab schon g’nug elektrische Spannunge in meiner Ehe.

BadischWildWest

Badisches Tagblatt

560/KW 29

Freie Fahrt

Klimanotstand in Bühl. Nun ist das Klima aber nicht nur in unseren Köpfen angekommen, sondern auch in unseren Füßen. Schon am 3. Juli lese ich im Tagblatt auf der Seite „Blick ins Land“ einen Bericht, in dem es um das Ansinnen unseres grünen Verkehrsministers geht, den Füßen als Verkehrsmittel mehr Raum zu geben. Meine Füße als Verkehrsmittel zu verstehen, war mir so nicht geläufig. An diesen Gedanken müssen sich meine Füße erst mal gewöhnen. Als passionierter Wandersmann kann ich dem jedoch Kopf nickend, ja Zeh nickend zustimmen. Kurios allerdings dann der Satz: „Baden-Württemberg gelte bundeweit als Vorreiter, was die Förderung des Fußverkehrs angehe!“ Interessant, denke ich. Diese Kombination aus Fußverkehr und Pferdesport. Wobei es sich bei Pferden genaugenommen ebenso um Fußgänger handelt. Verkehrsberuhigte Zonen wie unsere Bühler Hauptstraße sind auf den ersten Blick inzwischen fußfreundliche Geläufe. Da solle einer noch sagen, bei uns werden die Fußgänger übergangen. Der Fuß ist das königliche Fortbewegungsmittel. Man kommt so gut wie nicht ins Stocken und von Fußgängerstaus weit und breit nichts zu sehen. Fußgängerunfälle, bei denen zu schnell Gehende mit zu langsam Gehenden kollidieren, davon habe ich bisher auch nichts gehört. Zumindest bei uns im kommunalen Mikrokosmos. Fußgänger sind emissionsneutrale Verkehrsteilnehmer, sieht man von verbrauchter Atemluft und Sohlenabrieb (Feinstaub/Mikroplastik/Spreißel von Holzklepperle) einmal ab. Und sie sind, so unser grüner Fußverkehrsminister, ein Schlüssel zu einer besonderen Lebensqualität. Doch auf den zweiten Blick zeigt der Freilandversuch im Ortskern ein anderes Bild. Auf des Fußgängers Terrain machen sich mehr und mehr Kaffeehausstühle breit, Falschparker, Hundehaufen, Blumenkübel, Werbeständer, Büchertische. Aber alles nicht so dramatisch, denn nach unserem Verkehrsminister sind wir ja „Vorreiter“ in Baden-Württemberg. Und die überspringen solche Hindernisse. Da fällt mir nur noch ein: „Freie Fahrt für Fußgänger!“

WortakroBadisch

Aus dem Tagebuch des Homo Badensis
„Bei Jörg Kräuter handelt es sich um einen wortakrobatischen Autor – nein eigentlich eher um einen wortakroBadischen, weil seine kabarettistisch geschulte Zunge im Murgtal die Reife erhielt, einer Gegend, die gerade noch des abgemilderten Alemannischen Idioms huldigt.  ….“

Katz Verlag

PsychoBadisch

Mit dem König von Baden durchs Jahr
Mit spitzer Feder gibt Jörg Kräuter Antworten auf die drängenden Fragen, was den Badener ausmacht. Es sind kabarettistische Improvisationen über seine Landsleute zwischen Rebensaft und Bollenhut. Kräuter eröffnet eine poetisch-burleske Seelenschau, eine hinter- und vordersinnige Reise in die Gehirnschalen von Menschen seiner Heimat.

silberburg.de